Veranstaltung Pöppinghaus : Schneider : Haas Rechtsanwälte PartGmbB

Mittwoch, 16.03.2016 18:00 Uhr

Streitfall Erbschaft: Was kann man tun? Wie kann man Streitigkeiten verhindern?

Was ist zu beachten? Mit einem wirksamen Testament können Sie sich und Ihre Familie effektiv absichern und im Ernstfall viel Zeit, Nerven und Geld sparen. Warum kann es zu Streitigkeiten unter den Erben kommen? Wer entscheidet im Streitfall? Wie kann ein Konflikt verhindert werden? Aufklärung der hohen gesetzlichen Anforderungen.


Rechtsanwältin Diana Wiemann-Große, Fachanwältin für Familienrecht, Tätigkeitsschwerpunkt Erbrecht (Scheidung Dresden)

Ein Teil der ohne juristische Hilfe verfassten Testamente ist unwirksam oder führt zu Auslegungsschwierigkeiten und damit in aller Regel zu Streit unter den Erben. Der Grund hierfür ist in der Unterschätzung der strengen gesetzlichen formellen und inhaltlichen Anforderungen zu sehen.

1. Die falsche Form: Ein Testament muss grundsätzlich eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein. Eine andere Möglichkeit ist die Errichtung durch Niederschrift bei einem Notar.

2. Der fehlerhafte Inhalt: Bei der Gestaltung eines Testamentes ist zu beachten, dass die Erben nicht nur Vermögen erwerben, sondern auch in alle Verpflichtungen eintreten. Im Unterschied hierzu erhält ein Vermächtnisnehmer einen Anspruch auf Überlassung eines bestimmten Gegenstandes. Auch den Erben können einzelne Gegenstände zugewiesen werden, wobei gesetzliche Ausgleichsansprüche berücksichtigt werden müssen. Wählt der Erblasser die falsche Gestaltungsform, kann dies für die Erben negative Auswirkungen haben. Stellt sich das Testament als unwirksam heraus, gilt die gesetzliche Erbfolge. Es finden sich häufig Menschen in einer Erbengemeinschaft wieder, deren Vorstellungen über den Nachlass weit auseinandergehen. Bei Immobilien besteht sogar die Gefahr, dass der überlebende Ehegatte sein Zuhause verliert.

3. Die „vergessenen“ Pflichtteilsverzichtsverträge: Insbesondere dann, wenn zunächst der überlebende Ehegatte allein erbberechtigt sein soll, muss mit den Kindern über den Abschluss von Pflichtteilsverzichtsverträgen geredet werden. Anderenfalls muss der überlebende Ehegatte auch aus den Werten der Immobilien(n) Zahlungen vornehmen.

Häufig leben die Erben in völlig verschiedenen Lebenssituationen, so dass eine einheitliche Beurteilung z.B. der Frage, ob eine zum Nachlass gehörende Immobilie verkauft oder selbst genutzt wird, nicht möglich ist und jeweils immer unterschiedlich ausfallen wird. Warum kann es zu Streitigkeiten unter den Erben kommen? Hat der Erblasser mehrere Erben testamentarisch bedacht oder sind nach dem Gesetz mehrere Erben zur Erbfolge berufen, befinden sie sich in einer sogenannten Erbengemeinschaft. Die gesamte Erbschaft muss einvernehmlich mit allen Erben auseinandergesetzt werden. Dies umfasst neben der Aufteilung von Geld und Immobilien, auch die Geltendmachung von Forderungen und ebenso die Bedienung von Verbindlichkeiten. Insbesondere bei Immobilien gestaltet sich die einvernehmliche Erbauseinandersetzung häufig schwierig. Wer entscheidet im Streitfall? Können sich die Erben über die Verteilung des Nachlasses oder über notwendige Maßnahmen zur Erhaltung der Erbmasse nicht einigen, kann ein kostenintensives Gerichtsverfahren folgen. Bei Immobilien droht die Teilungsversteigerung. Wie kann dieser Konflikt verhindert werden? Den entscheidenden Beitrag zur konfliktfreien Erbauseinandersetzung (also u.a. Verteilung des Nachlasses) kann und muss der Erblasser zu Lebzeiten leisten! Es gibt die Möglichkeit, durch die Abfassung eines rechtswirksamen und auf die konkrete Familien- und Vermögenssituation genau zugeschnittenen Testamentes klare und verbindliche Regelungen zur Konfliktvermeidung anzuordnen. Ebenso gibt es die Möglichkeit, neben Erben auch Vermächtnisnehmer einzusetzen, so dass größere Erbengemeinschaften verhindert werden. Hat man Bedenken, dass sich die Erben über die Erbauseinandersetzung nicht einigen, kann man einen Testamentsvollstrecker bestimmen, welcher die Erbauseinandersetzung vornimmt. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Testamente entsprechend den hohen gesetzlichen Anforderungen verfasst werden, da ansonsten das Testament als unwirksam angesehen werden kann bzw. Auslegungsschwierigkeiten entstehen, welche wiederum zu Streit unter den Erben führen können.

 

 

 


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