Veranstaltung Pöppinghaus : Schneider : Haas Rechtsanwälte PartGmbB

Mittwoch, 03.02.2016 18:00 Uhr

Trennung/Scheidung: Deine - Meine - Unser? Wer bekommt was? Was ist zu beachten?

Wer muss was wie lange an wen nach einer Trennung/Scheidung zahlen? Wie verläuft die Vermögensauseinandersetzung?


Rechtsanwältin Diana Wiemann-Große, Fachanwältin für Familienrecht, Tätigkeitsschwerpunkt Erbrecht (Scheidung Dresden)

Ich verdiene mehr als mein Ehepartner, muss ich dann immer Unterhalt zahlen? Grundsätzlich nicht! Alleine eine Einkommensdifferenz rechtfertigt noch nicht einen Unterhaltsanspruch. Nach der Unterhaltsreform im Jahre 2008 ist in erster Linie entscheidend, ob ein so genannter ehebedingter Nachteil vorliegt. Dieser ist z.B. dann zu bejahen, wenn ein Ehegatte wegen der gemeinsamen Kinder zu Hause geblieben ist oder seine berufliche Entwicklung ebenfalls aufgrund einer gemeinsamen (Kinder-)Planung zurückgesetzt hat.

Was passiert mit einem gemeinsamen Haus? Es muss einvernehmlich entschieden werden, wer nach der Trennung die Immobilie übernimmt. Sind Kreditverbindlichkeiten vorhanden, muss beachtet werden, dass der Ehegatte, welcher seinen Miteigentumsanteil an den anderen überträgt, auch von den Kreditinstituten aus der Haftung entlassen wird. Übersteigt der Verkehrswert der Immobilie die Schulden, sollte zwischen den Eheleuten die Höhe einer Ausgleichszahlung verhandelt werden. Ferner ist bei einer gemeinsamen Immobilie zu beachten, dass der Ehegatte, welcher im Haus wohnen bleibt, verpflichtet ist, dem anderen Nutzungsentschädigung zu zahlen.

Ich wohne im gemeinsamen Haus; hat das Auswirkungen auf den Ehegatten- oder Kindesunterhalt? Derjenige, der nach der Trennung/Scheidung in der Immobilie lebt, bekommt einen so genannten Wohnvorteil angerechnet. Die Höhe des Wohnvorteils richtet sich nach dem konkreten Unterhaltsanspruch und nach der Frage, ob das Trennungsjahr bereits abgelaufen ist oder nicht.

Werden Schulden (Kredite) bei der Berechnung des Unterhaltes berücksichtigt? Auch hier wird zwischen Ehegatten- und Kindesunterhaltsansprüchen unterschieden. In Einzelfällen werden auch nur die Zinszahlungen und nicht die Tilgungsleistungen berücksichtigt. Somit ist immer der konkrete Einzelfall und die Art des Unterhaltsanspruches (Kindes- oder Ehegattenunterhalt)  für die Frage der Berücksichtigung von Kreditverbindlichkeiten entscheidend.

Wie lange muss ich Unterhalt zahlen? Nach der Unterhaltsreform im Jahre 2008 ist grundsätzlich von einer Befristung des Unterhaltsanspruches auszugehen. Wie lange der Unterhalt zu zahlen ist, hängt von den ehelichen Lebensverhältnissen und der Dauer der Ehe ab. Bei der Betreuung gemeinsamer Kinder kann auch von einem unbefristeten Unterhaltsanspruch ausgegangen werden.

Wann ist Ehegattenunterhalt  geschuldet? Insbesondere bei größeren Einkommensunterschieden sind Ehegattenunterhaltsansprüche zu prüfen. Nicht immer rechtfertigt jedoch ein niedrigeres Einkommen einen Unterhaltsanspruch. Vielmehr ist hierbei auch die Ehedauer und die Frage, ob ehebedingte Nachteile in der beruflichen Entwicklung vorliegen, entscheidend.

In unserer Ehe hat keiner einen ehebedingten Nachteil, muss ich trotzdem Unterhalt zahlen? Nach der Rechtsprechung kann auch in Ausnahmefällen ohne ehebedingten Nachteil ein Unterhaltsanspruch eines Ehegatten bestehen und zwar aufgrund der ehelichen Solidarität z.B. bei langer Ehedauer. In der Regel ist dies eine Frage des Einzelfalls.

Wann soll der Scheidungsantrag gestellt werden? Für den Ausgleich der Rentenpunkte sowie für das Zugewinnausgleichsverfahren ist grundsätzlich nicht der Zeitpunkt der Trennung, sondern die Zustellung des Scheidungsantrages relevant. Vor Stellung des Scheidungsantrages sollte daher individuell geprüft werden, wann der richtige Zeitpunkt hierfür ist.

 

 

 

 

 


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